Okustim 2 Therapiesystem
Okuvision
Zu den Erkrankungen, für die es derzeit keine heilenden Therapien gibt, gehört die Retinitis pigmentosa. Diese Netzhautdegeneration führt zur Erblindung, ist genetisch bedingt und trifft weltweit etwa einen von 4000 Menschen, meist im mittleren Alter. OkuStim 2 ermöglicht erstmals eine nicht-invasive Behandlung, die den Verlauf verlangsamen kann. Das System besteht aus einem Headset sowie fadendünnen Elektroden – und wird im häuslichen Umfeld ohne ärztliche Assistenz genutzt. Die komplexe Technologie wurde von defortec so gestaltet, dass die Anwendung sicher, komfortabel und einfach zu nutzen ist. Eine Herausforderung. Jetzt hat das System nicht nur seine Zulassung als Medizinprodukt, sondern auch den German Design Award 2026 in Gold erhalten.
Transkorneale Elektrostimulation
Das OkuStim-System kann das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, indem die Netzhaut durch schwache elektrische Impulse stimuliert wird – ausgehend von feinen, exakt auf dem unteren Lid platzierten Fadenelektroden. Die Therapie wird in der Regel nach einmaliger ärztlicher Einweisung und Konfiguration einmal wöchentlich von den Patientinnen und Patienten zuhause selbst durchgeführt. Entsprechend bedienfreundlich muss das Verfahren samt Hardware gestaltet sein – zumal die Betroffenen meist bereits Seheinschränkungen haben.
Zusammen mit Okuvision, einem Spezialisten für die Behandlung degenerativer Netzwerkerkrankungen in Reutlingen, hat defortec die Handhabung des Systems analysiert und optimiert. Schließlich entstand in einem iterativen Prozess mit Anwendenden und den Okusvion-Experten ein kompaktes Headset und magnetisch einsetzbaren Einweg-Fadenelektroden.
Minimalster Bauraum für viel Technik
Eine der zentralen Herausforderungen war, die Elektronik samt Stromversorgung in das Headset zu integrieren. Zahlreiche Versuche mit ergonomischem Fokus führten schließlich zum finalen Konzept: das leichtgewichtige Headset legt sich wie ein Stirnband um den Kopf, die eigentlichen Elektrodenträger sind additiv integriert, um deren exakte Positionierung zu erleichtern. Diese Aufgabe übernimmt der Augenarzt, er justiert jeden Elektrodenhalter über jeweils drei Achsen mittels einer höchst präzisen Mechanik in den Haltern. Die Patientinnen und Patienten müssen nur noch die Elektroden anbringen und die Elektrodenträger mittels der seitlich positionierten, haptisch optimierten Sterngriffe nach unten zum Auge hin schwenken.
Das Headset lässt sich per Wischdesinfektion reinigen, zwei integrierte und gekapselte Federstahl-Scharniere sorgen zum einen für den notwendigen Anpressdruck, zum anderen für die Anpassung an die individuelle Kopfform. Auch diesen Aspekt nahm man bei defortec auf und teste das Headset mit verschiedenen Kopfformen auf Tragekomfort. Selbst die Shore-Härte der Siliconpads über den Ohren sowie die Passform des justierbaren Nasenstegs wurde über Tests abgeklärt.
Elektroden berührungsfrei einsetzen
Für jede Therapiesitzung braucht es neue Elektroden – alleine schon aus hygienischen Gründen. Die spielen auch bei der Handhabung der feinen Drähte eine zentrale Rolle: in Blisterpackungen sicher gelagert, lassen sie sich berührungsfrei entnehmen und einsetzen. Dank magnetischer Fixierungen finden die Elektroden ihre Fixierungspunkte selbst, einfaches Ziehen an den orangefarben gekennzeichneten Elementen entfernt sie nach der Behandlung. Auch diese möglichst einfache Handhabung sprach für den Verzicht auf Verkleidungen ähnliche einer VR-Brille. Die Mechanik ist also in gewisser Hinsicht ein Gestaltungsmerkmal geworden und visualisiert, dass es sich um medizinisches Gerät handelt.
Von Modellierung bis Testing
Die Leistungen von defortec:
• Designkonzept
• 3D-Modellierungen
• Prototypenbau für Ergonomie-Tests
• Iterative Optimierungsschleifen
• Umsetzungsbetreuung